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Brabbelbart

(User)

Liebe Community,

seit Mitte der 60er Jahre bin ich im Besitz eines Schmuck-/Führerdolches der Feuerwehr/Feuerschutzpolizei aus dem Dresdner Umland Modell 1870 mit bds. geätzter Klinge (Carl Eickhorn, Solingen). Parierstange scheint falsch herum montiert zu sein - Helm zeigt in die falsche Richtung. Allerdings gibt mir das Portepee und das Gehänge Rätsel auf. Mit der entsprechenden Farbgebung bekomme ich keine Treffer. Ich habe schon nach den Dienstgraden recherchiert, komme aber auch da nicht weiter:

Dolch-Portepee: vergoldete und mit rotem Faden durchsetzte Alulitze/Gespinst, die/das sich auch im Schieber und im Stiel wiederfindet; Länge 42 cm. Die Eichel (Kranz und Quast) ist rein goldenfarbig, jedoch ist die Füllung rot. Länge der Eichel 42 mm, Außendurchmesser 30 mm, Durchmesser der Füllung an der Unterseite der Eichel beträgt 13 mm.

Gehänge für Überschnallkoppel/Unterschnallgurt: aus braunem Leder mit 2 goldfarbenen geraden schmalen Doppellöwenkopfschnallen.

Dolchmodell Tragezeit ab 1901 bis 1944 ab Brandmeister aufwärts. (vgl. Musterbuch Eickhorn Solingen 1901/1905); Hartung Lothar - Dolche und Ehrendolche des 3 Reiches, S. 134f.)

Vielleicht könnt ihr helfen, den Dolch/Portepee/Gehänge einzuordnen.











28.10.18, 10:05:19

Brabbelbart

(User)

Verwirrend ist auch, dass der Trageriemen mit den Schnallen eher für die Marine stehen oder aber doch allgemein für einen Offiziersrang ganz allgemein stehen? Ich bin völlig verwirrt.

28.10.18, 16:24:52

ulfberth

(Zeugwart)

Woher stammt die Bezeichnung "Modell 1879"?

Gruß

ulfberth


www.seitengewehr.de
28.10.18, 21:54:59

Brabbelbart

(User)

von Hartung Lothar - Dolche und Ehrendolche des 3 Reiches, S. 134f. Ist Modell 1870 statt 1879. Der Tippfehler hatte sich eingeschlichen. Hab das Modell oben geändert.

28.10.18, 22:49:11

ulfberth

(Zeugwart)

Ich kenne ein paar Schriften des Autors, habe aber zu seinen Publikationen, die Kaiserzeit betreffend, eine eher zwiespältige Meinung.

In meinen Katalogen und Musterbüchern finde ich keinen Hinweis auf 1870. So wurde die FFW in Dresden Anfang der 1860er Jahre aus der Turnerfeuerwehr gegründet. Mir sind aus diesen Zeiten von Abbildungen her eher Beile und ggf. bei "Offizieren" Säbel bekannt. Mir erscheint die Verwendung eines Dolches um 1870 definitiv zu früh. Aber hierzu mag es in den Großstädten auch Bekleidungsvorschriften gegeben haben. Leider liegen mir hierzu keine Quellen vor.

Ansonsten kenne ich die Dolche nach den Katalogen eher aus Preußen und dem Elsaß. In den anderen Staaten wurde m. E. kein spezielles Modell geführt.

Hier sollten Sie vielleicht einmal die Quelle nachforschen.

Gruß

ulfberth


P.s. Ja, die Parierstange ist falsch montiert. Durch die Verschraubung (?) sollte aber eine Korrektur möglich sein.


www.seitengewehr.de
28.10.18, 22:57:44

Brabbelbart

(User)

Ja, das ist tatsächlich irritierend. Der Dolch mit geätzter Klinge taucht auch im Musterbuch der Waffenfabrik Carl Eickhorn Solingen 1901 auf mit der Nummer 42 (BlankwaffenFeuerwehr.pdf von www.seitengewehr.de; Rolf Selzer 2011: "Die Blankwaffen der Feuerwehren in Preussen und Elsaß-Lothringen um 1900"). Ich nehme an, dass in o.g. fragwürdige Quelle von Hartung das allgemeine Dolchmodell, nicht aber die Feuerwehrausführung gemeint sein könnte. In dem PDF von seitengewehr.de ist auf der letzten Seite 19 auch ein Feuerwehrmann abgebildet, der so einen Dolch entsprechend der Dolchscheide trägt. Allerdings ist mir zur Einordnung kein Dienstgrad bekannt oder eine regionale Zugehörigkeit für mich erkennbar. Bin zwar interessiert, aber ein Laie. Auf den Abb. im PDF zur Ausführung Nummer 42 sind leider keine Seitenangaben zum Katalog von Eickhorn ausgewiesen, sodass ich eine regionale Zugehörigkeit entsprechend des Inhaltsverzeichnisses des Katalogs nicht vornehmen konnte. In den Kleidervorschriften (PDF Seitengewehr.de) wird explizit auch nur auf das Beil eingegangen.

Im PDF aus dem Netz von Dipl.-Ing. Hans-Dieter Kandzia, Gemeindebrandmeister von Petershagen/Eggersdorf, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Märkisch-Oderland e.V.: "Dienstgradabzeichen und tragbare Auszeichnungen der Freiwilligen Feuerwehren in Brandenburg von 1901 – 2010" unter 2.: Abzeichen im Königreich und im Freistaat Preußen 1901-1933, Seite 5, scheint anhand der Symbolik der Schulterstücke zumindest eine zeitliche Eingrenzung möglich, da Parierstange des Dolches mit den Schulterstücken übereinstimmt. Regional bleibt es natürlich weiterhin vage z. B. ohne Kenntnis Modell/Inhaltsverzeichnis zu Eickhof.

Auch finden sich im Internet Auktionen bzw. Fotos, deren Ersteller zwar behaupten, dass es sich bei ihrem Objekt um einen Feuerwehrdolch handelt. Diese sind aber mit einer normalen und nicht geätzter Klinge ausgestattet und frei jeglicher Symbolik auf der Parierklinge.

Aber die Frage bleibt ja: Das irre Portepee des Dolches, aber warum nicht auch die Provinence des Dolches gleich mit klären.

29.10.18, 18:26:03

Schwertfeger

(Mitglied)

Zitat von Brabbelbart:

Aber die Frage bleibt ja: Das irre Portepee des Dolches, aber warum nicht auch die Provinence des Dolches gleich mit klären.


Die Frage verstehe ich nicht so richtig, was soll "irre" an dem Portepee sein?
Die Kombination Goldgespinst mit roter Durchzug oder die Rundschnur statt eines Bandes oder ...

Ich empfehle, in diesem (interessanten) Fall sich ein bisschen mit der Geschichte der Uniformierung der Feuerwehren sich zu befassen.


"Suum cuique" (Cicero: Jedem das Seine; Devise des Schwarzen Adler Ordens)
07.11.18, 19:41:13

Brabbelbart

(User)

Da bin ich dran. Fernleihe der Bibliotheken sei Dank. Eine erste Niederlage habe ich bei André Hüsken: Katalog der Blankwaffen des Deutschen Reiches 1933-1945, 3. Auflage, 2008 hinnehmen müssen. In dem Buch wird auf Seite 206 vermerkt, dass der Feuerwehr-Führerdolch der Berufs- und freiwilligen Feuerwehr ohne Portepee getragen wird. Aber ich habe da noch mehrere Feuer im Eisen für meine weitere Recherche.

07.11.18, 20:11:57
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